Berichte
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Herbstlager 2010
Einmal Chateauvert, immer Chateauvert könnte man meinen. Denn bereits zum dritten mal in Folge avisierten wir dieses Ziel für unser diesjähriges Herbstkletterlager. Dieser alljährliche Besuch kommt nicht von ungefähr. Chateauvert bietet alles, was an Provence- aber auch Klettersehnsüchten aufkommt. Herbes de Provence überall, Weinberge und Auenwälder, urnatürliche Flussläufe mit Wasserschlangen, maritime Lüftchen. Dörfer so malerisch, dass sie wie Theaterkulissen und ihre freundlichen Bewohner wie Statisten wirken. Das wichtigste aber: Le Grand Face. So heisst nämlich die Hauptwand im Klettergebiet des Vallon Sourn und das ist ein wahres Meisterstück geologischer Schöpfung: 40 m lang ziehen sich steile, athletsiche Routen den gelblichen Fels empor mit Löchern und Leisten gespickt. Dazu stellt sich die Wand mit einer konkaven Wölbung vor dem Betrachter auf, wie ein heiliger Schrein in der Kirche. Hie und da gleiten schwarze Vögel weit oben der Wand entlang, ihr Gegacker hallt vom Wandbauch wider – Akustik wie in einem Konzertsaal.
Genug der Schwärmerei, back to the facts! Etwas ganz neues gab es nämlich auch noch: ganze 2 Busse aus Basel mit insgesamt 23 Personen kamen dieses Jahr, gefüllt mit fröhlichen Gesichtern auf dem Camping in Correns an. Das ist JO-Basel-Rekord! (100% JO-Basel warens zwar nicht; wir waren noch in angenehmer Begleitung von 5 starken JO-Bielern). Umsomehr: Gesellschaftlich war das natürlich ein Highlight, es bildete sich sogleich eine sehr harmonische Truppe. Dafür war es logistisch eine neue Herausforderung. Während sich am ersten Abend noch ein Haufen von urmenschlichen Nahrungserwerbern über einen Pastatopf warf, wurde dieses Manko am Folgetag durch Hauptleiter Gessler koordiniert. Fortan kochte jeden Abend eine neue 5er-Gruppe, die die vorangehende noch stets zu übertreffen versuchte. Und da die Messlatte schon am zweiten Abend extrem hoch gesetzt wurde, begann ein kulinarischer Steigerungslauf der Extraklasse!
Der Tag begann jeweils mit einem Besuch bei der lokalen Boulangerie. In Riesenmengen wurden Croissants und Brote gekauft. Danach gings schnellstmöglich an die schattigen Felsen, denn die Sonne brannte bald schon stark. In einer gemütlichen Morgensession kletterten wir in unterschiedlichen Seilschaften in verschiedenen Sektoren. Nach einem ersten Pump und allmählichem Hüngerli, traf man sich wieder am kühlen Flüssli um gemeinsam ein paar feine Brote zu Mittag zu essen. Währenddessen legte sich der Schatten über das Grand Face – die Tageszeit war reif zum Stromen. Der Eingangs erwähnten Akustik dieser Wand und der fröhlichen Gesinnung unserer Gruppe ist es wohl zuzuschreiben, dass die kletternde Spezies mit Prismenbrillen jeweils bald verscheucht und die ganze Wand in unserem Besitz war. Dabei war die Stimmung magisch. Es wurde stets am Limit gekämpft und manch einer durfte einen neuen Grad zu seiner Rotpunktliste hinzufügen. Erst mit dem aufgehenden Mond hüpften wir in unsere Busse und düsten zum Camping zurück. Dort warfen wir uns über die von der Kochgruppe hergerichteten Speisen her und hofften, dass die Sonne möglichst bald wieder aufgehen möchte für einen weiteren unvergesslichen Klettertag. Ob wir nächstes Jahr wohl wieder dort weilen werden? Äuä scho...