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Eisklettern 2011 (& andere Weisheiten)
Irgendwann im Januar gab es feine Eisverhältnisse, entgegen aller Erwartungen. Es war nämlich augenscheinlich warm - zu warm denkt der eben doch fachunkundige Basler, der so weit von den Bergen entfernt lebt wie sonst kein Eidgenosse. Trotzdem machen sich vier wagemutige JO-Basler auf, die Hypothese "schlechte Eisverhältnisse" zu bestätigen, oder eben lieber zu verwerfen. Mit Erfolg! Denn was sie vorfinden ist bestens temperiertes Eis in Hülle und Fülle! "Bestens temperiert" das hat (wie so oft) füsikalische Hintergründe: ist es zu warm gibt es kein Eis, das weiss jedes Kind. Es gilt aber nicht je kälter desto besser, das zu wissen muss man schon studiert haben. Denn pilgert ein Medium dem nicht-existenten absoluten Nullpunkt entgegen, so nehmen seine Teilchen immer mehr einen Gitterplatz mit Nulltoleranz nach links und rechts ein. Gewaltsame Verschiebung (etwa durch das Einschlagen eines Eisbeils) führt dann zu Zoff mit dem Nachbar schräg vorne und schliesslich zum Bruch. Was wir beim Eisklettern suchen ist ein Grauzone der Aggregatszustände. Etwas zwischen fest und flüssig. Das ist übrigens auch beim genussvollen Verzerr von Vanilleeis so: der wahre Kenner bewahrt sein Vanilleeis bei -0.7°C auf, sodass er den Löffel nicht verbiegt, wenn er sich schöpft und das Eis im Mund ohne zu kauen zergehen lassen kann. Pseudo-Geniesser mit einer zu kalten Tiefkühltruhe nehmen sich die Mikrowelle zur Hilfe um den gleichen Effekt zu erzielen, tststs... Coupe Danmark, heisse Schokolade auf kühlem Eis ist eine logische Folge der Suche nach dem optimalen Festigkeitszustand von Vanilleeis. Natürlich kommt hier auch der geschmacklich absolut vorzügliche Gegensatz von schwarz & bitter & heiss gegenüber weiss & süss & kalt zum tragen. Gottlob die Dänen!
Jedenfalls war das Eis im BeO gut, das Coupe (sz) danach aber auch. Sie verstehen eben etwas von Eis, die Berner.

Genug dem klugen Unsinn. Zwei Wochen später war das Engadin dran. Obs dort auch passt? Nach oben beschriebenem Prinzip waren die minus 25°C suboptimal. Aber eben: immerhin fest statt flüssig. Und Eisklettern funktioniert dann natürlich trotzdem, auch wenn man zwei-dreimal schlagen muss bis der Pickel sitzt, statt nur einmal. Manchmal sehnten wir uns dann doch nach einem vertrauten, liebevollen "Schmack", aber nix da. Sie ist nunmal streng, die Füsik. Stattdessen gabs Spinnen, die machen "tssrrtsch" und rund um den Ort des Pickelhiebs sprengen sich Risse ins Eis. Fies wird es dann, wenn sich danach Eisblöcke lösen und einem Richtung Gesicht fahren, das Gebiss zu reduzieren oder mindestens die Nase zu brechen. Da bekommt das Eisklettern einen zusätzlichen Kick zum Kick vom Kick. So ein bisschen wie Toilettengang in der SAC-Hütte ohne Stirnlampe: immer gefasst auf die Gefahr von vorne eines plötzlich auftauchenden Türrahmens oder so. Minus 25 waren es wohl immer noch als wir uns nach getaner Arbeit von der Pontresinaschlucht in den Pontresinawald schlichen und unsere beiden JO-Ve25(-24)-Nord-Fratze-Expeditionszelte aufschlugen. Die Nacht verbrachten wir also im mitgebrachten Logis, nicht aber den Abend. Denn da schlugen wir uns die Bäuche in der Pizzeria (sz) am Bahnhof voll. Dem wahren Eiskletterer sticht nur die eine Pizza sofort ins Auge "Pizza Patatosa". Diese ist nämlich mit Spiegelei & Speck bedeckt, welche man aber gar nicht sieht weil (jetzt kommts) darüber liegt noch ein Berg Pommes! Der ohnehin schon gute Tag konnte nicht gerettet werden, weil er eben schon gut war. Aber wärs ein schlechter Tag gewesen, dann wäre er jetzt gerettet gewesen. Und jetzt mal zum fachlichen, denn während der Patatosa-Demontage musste ein bergsporttechnisches Problem gelöst werden. Wir waren nämlich zu viert unterwegs. Die drei tapferen JO-Teilnehmer waren wirklich gute Eisgenossen, jedoch wollten sie noch nicht so recht das Vertrauen zum Vorstieg gewinnen (da hätte es ein bisschen mehr "Schmack" bedurft). Es waren aber allesamt Willens am nächsten Tag den Pontresinafall, als erste Multipitch-Eistour zu bewältigen - aber eben mit nur einem Vorsteiger. Also wurde die Osswaldsche-Rhomboeder-Taktik geboren und die geht so: der Vorsteiger (Spio für Spitze oben) macht sich auf mit dem Doppelseil, an welchem zwei Eisgenossen angebunden sind. Er setzt seine Eisschrauben so, dass die beiden Seile in zwei individuellen Bahnen verlaufen. Ein drittes Seil verbindet den Eisgenossen Mitte links (EiMiLi) im imaginären Rhomboeder mit dem vierten Mann (Spiu für Spitze unten). Während nun Eisgenosse Mitte rechts (EiMiRe) Spio sichert, nimmt EiMiLi Spiu nach. Und nach ein paar Seillängen Übung dieser umfangreichen Seilerei gewinnt man schon an Effizienz. Manchmal gabs böse Blicke von den Deutschen vornedran, wenn wir sie einholten und sie sich plötzlich umzingelt von unserem Rhomboeder sahen. Hier sei angemerkt, dass man bei den vielen Seilen schön Ordnung behalten sollte, sonst kommt so etwas wie Angelgefühl auf, wenn plötzlich untendran ein Fremder in der Schnur zappelt. So toppen wir den Pontresinafall, übrigens Dank seiner S-Expo wohl temperiert.
Alles in allem waren die insgesamt drei Eisklettertage ein volles Vergnügen! Die Eisgenossen waren Lukas M., Luca, Ivo, Fabio und Dominik. Es hat also noch ausreichend Platz in der Partei!
Mich hats gefreut mit Euch unterwegs zu sein, gerne wieder - Dominik.
Und jetzt noch ein paar Bildli!
